Osteomyelitis (Knochenmarkentzündung)

Bei Osteomyelitis handelt es sich um eine ernsthafte, bakterielle Entzündung des Knochengewebes, der Knochenhaut und des Knochenmarkes. Sie wird unterschieden von der Osteitis, bei der ausschließlich das Knochengewebe betroffen ist. Von der Osteomyelitis sind zu 80% Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren betroffen. Außerdem erkranken mehr Jungen als Mädchen daran. Die Osteitis tritt meist im Erwachsenenalter auf. Auch hier sind Männer häufiger als Frauen affektiert.

Ursachen der Osteomyelitis

Bakterielle Entzündungen wie zum Beispiel eine Angina, Hautinfektionen und Mittelohr- oder Mandelentzündungen können Auslöser für eine Osteomyelitis sein. Die häufigsten Krankheitserreger sind Bakterien, wie Staphylokokkus aureus, Streptokokken der Gruppe 1 oder Pneumokokken. Bei Babys und Kleinkindern ist eine Knochenmarkentzündung durch das Bakterium Haemophilus influenzae möglich. Knochenmarkentzündungen, die auf diesem Weg entstehen werden als endogene (bzw. hämatogene) Knochenmarkentzündungen bezeichnet.

Die Krankheitserreger gelangen in den Blutkreislauf und verteilen sich somit im Körper. Gerade die langen Röhrenknochen in Armen und Beinen sind besonders gut durchblutet und somit empfänglich für Krankheitserreger. Zuerst ist das Knochenmark betroffen und die Entzündung weitet sich auf das umliegende Knochengewebe aus. Ein weiterer Ausbreitungsweg ist über die Lymphwege. Kinder, deren Immunsystem durch eine Krankheit geschwächt ist, oder bei denen eine Mangelernährung vorliegt sind von Osteomyelitis häufiger betroffen. Anders gelangen die Bakterien bei einer Osteitis nicht durch die Blutbahn, sonder stattdessen von außen an die Knochen. Dies kann Folge einer offenen Knochenfraktur oder einer Operation sein. Hierbei spricht man von exogenen Knochenentzündungen.

Das Knochenmark ist bei Erwachsenen kaum mehr betroffen, da dies weniger durchblutet und größtenteils durch Fett ersetzt ist. Personen mit einem geschwächten Immunsystem oder mit Krankheiten wie Diabetes mellitus und Arteriosklerose sind von Osteitis am häufigsten betroffen.

Osteomyelitis hat viele verschiedene Symptome

Da die Osteomyelitis durch eine vorhergehende Infektion ausgelöst wird, steht diese im Vordergrund. Die Patienten fühlen sich schlapp und haben Fieber. Darüberhinaus treten Glieder- und Gelenkschmerzen auf. Besonders häufig tritt diese Erkrankung im Knie- und Oberarmbereich auf. Zunächst sind keine äußeren Symptome zu erkennen. Nach ein paar Tagen oder Wochen können allerdings Schwellungen an den betroffenen Körperteilen auftreten. Außerdem sind beteiligte Stellen überwärmt und bei einer fortgeschrittenen Krankheit kann es zu einer enormen Instabilität des Knochengewebes kommen. Eine weitere Folge dessen sind Knochenbrüche, geschädigte Gelenke und eine Beeinträchtigung des Bewegungsapparates. Vor allem bei Babys kann eine Osteomzelitis zu einer eitrigen Entzündung der Gelenke, einer so genannten Arthritis, führen.

Insbesondere bei Babys und Kindern ist zu beobachten, dass sie die infiyierten Gliedmaßen schonen, und daß die Kinder beim Gehen hinken. Auf Berührungen reagieren sie mit starken Schmerzen oder extremer Überempfindlichkeit. Die betroffenen Stellen sind stark geschwollen und sehr viel wärmer als die sonstigen Körperregionen. Die Symptome der Osteitis sind der Osteomyelitis sehr ähnlich. Es treten neben Schmerzen, Überwärmung, und Schwellung auch sehr häufig Eiter auf. Ein Arzt wird aufgrund der Symptome eine Knochenmarkentzündung vermuten und durch Blutuntersuchungen die Art des Erregers feststellen. Hat sich bereits Eiter gebildet, so wird der Arzt etwas daraus entnehmen um weitere Auskünfte über den Erreger zu erhalten. Somit kann die korrekte Behandlung mit Antibiotika durchgeführt werden.

Diagnose der Osteomyelitis

Durch Ultraschall können Gelenkergüsse, eitrige Entzündungen und in Mitleidenschaft gezogene Weichteile erkannt werden. Außerdem besteht die Möglichkeit, eine Diagnose durch eine Röntgen-Untersuchung oder Computer- bzw. Kernspintomographie zu stellen. Die bessere Methode ist allerdings die Magnetresonanz-Tomographie. Durch diese können Entzündungsherde schon sehr früh erkannt werden und Kinder werden nicht durch radioaktive Strahlung belastet. Bei der Knochenszintigraphie wird ein radioaktives Mittel gespritzt, wodurch ein sehr genaues Bild der bereits akuten Entzündungsherde gezeigt werden kann. Der Vorteil dieser Methode ist, dass dadurch auch weitere Herde erkannt werden können, die noch keine Beschwerden bereiten.

Therapie der Osteomyelitis

Erstes Ziel jeder Therapie ist es, die Infektion zu beseitigen. Bei Kindern wird dazu fast ausschließlich Antibiotika verabreicht. Wird diese Therapie rechtzeitig begonnen ist der Verlauf kurz und sowohl Spätfolgen als auch operative Eingriffe können zumeist ausgeschlossen werden. Oftmals ist eine Ruhigstellung der betroffenen Extremitäten Teil der Therapie. Anschließend ist eine krankengymnastische Behandlung notwendig, um Mobilität und Kraft wieder herzustellen. Eitrige Stellen werden meist unter örtlicher Betäubung geöffnet, und der entstandene Eiter entfernt.

Bei weit fortgeschrittenen Erkrankungen, bei denen bereits große Knochenregionen und Gelenke geschädigt sind, ist eine Operation nicht mehr vermeidbar. Hierbei werden zerstörte Knochenteile entfernt. Bei besonders großen Bereichen müssen entfernte Knochenteile aufwändig wiederhergestellt werden, um eine weitere Stabilität der Gliedmaßen zu garantieren.

Es gibt hierfür verschiedene Methoden. So besteht die Möglichkeit, Knochen aus dem eigenen Körper zu verpflanzen, oder das Knochenwachstum der Röhrenknochen künstlich zu beschleunigen. Eine weitere Möglichkeit ist das einpflanzen von Fremdmaterial. Bei Erwachsenen ist eine Behandlung mit Antibiotika nicht ausreichend. Eine Operation ist meist unumgänglich, um langfristige Behandlungserfolge zu erzielen. Bereits abgestorbenes Knochenmaterial muss durch gesundes Gewebe ersetzt werden. Eine noch umstrittene Behandlungsmethode ist die hyperbare Sauerstofftherapie. Durch Atemüberdruck wird eine bessere Sauerstoffversorgung der betroffenen Knochenregionen herbeigeführt. Dadurch werden entzündungslindernde Prozesse ausgelöst und geschädigte Knochen erholen sich schneller.

Bei einer rechtzeitigen Diagnose der Knochenentzündung ist eine Ausheilung ohne weitere Spätfolgen möglich. Abhängig vom Alter des Patienten und der Art der Krankheitserreger kann es allerdings auch zu einer Chronifizierung der Krankheit kommen. Kinder können allgemein besser von Osteomyelitis geheilt werden. Bei Befall der Wachstumsfugen kann es allerdings zu beachtlichen Wachstumsstörungen kommen. Die Folgen sind beispielsweise kürzere Arme oder Beine. Wird die Behandlung zu spät begonnen können steife Gelenke die Folge sein. Chronische Knochenentzündungen sind entgegen der akuten Erkrankung sehr viel schwerer zu behandeln. Hier können befallene Knochenteile nur sehr schwer entfernt werden. Selbst bei einer zunächst erfolgreich verlaufenen Behandlung neigt der Knochen dazu wieder zu erkranken.

Häufig entzündete Mandeln, Polypen und ähnliches Lymphgewebe sollte unbedingt entfernt werden, um eine Ausdehnung auf die Knochen zu vermeiden. Außerdem ist es unbedingt notwendig, frühzeitig mit einer antibakteriellen Therapie zu beginnen. Knochen- und Gelenkbeschwerden sollten vor allem bei Kindern ernst genommen werden und bei einem Arzt abgeklärt werden. Um Knochenentzündungen aufgrund von Operationen zu vermeiden verabreichen viele Ärzte bereits vorweg Antibiotika. Ein Höchstmaß an Hygiene und neueste operationstechnische Maßnahmen können ein Infektionsrisiko auf ein Minimum reduzieren.

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